5.07.13 13:24

Sanierung des Nikolaitors geht weiter

Die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten am Eisenacher Nikolaitor gehen weiter. Im Juli sollen die Natursteinarbeiten und die statischen Sicherungsarbeiten beginnen. Darüber informiert seit heute auch ein Bauschild am Nikolaitor. "Das um 1170 erbaute Tor ist eines der wichtigsten Objekte der Stadtsanierung", sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf bei einem Termin vor Ort.

 

Weitestgehend abgeschlossen sind die zum Ende des letzten Jahres begonnenen Vorbereitungen zur Sanierung. Dazu gehörten unter anderem steinrestauratorische und bauhistorische Untersuchungen. Dabei wurde entdeckt, dass die in der Fassade aufgetretenen Risse mit der Konstruktion des Torturms zusammenhängen. Demnach war der Torturm ursprünglich ein Schalenturm, dessen Westfassade erst nachträglich mit geringerer Wandstärke vermauert worden ist. Der dadurch fehlende Verband hat das Entstehen von Rissen begünstigt.

 

Die Obergeschosse des Torturms sollen auch in Zukunft nicht genutzt werden. Für interessierte Besucher soll es aber nach Anmeldung und in begrenzter Zahl möglich sein, das Obergeschoss zu besichtigen. Der Zugang wird dann vom 1. Obergeschoss aus erfolgen, dem "Turmzimmer" des angrenzenden Restaurants.

 

Weitgehend intakt ist das mit Naturschiefer gedeckte Dach. Es muss nur an einigen Stellen repariert werden. Die auf historischen Darstellungen erkennbaren Dachbekrönungen sollen wiederhergestellt werden. Die Dachgaupen (Dachaufbauten) bleiben unverändert in der heutigen, vereinfachten Dachform ohne Bekrönung.

Untersucht wird auch der Straßenbelag und der Unterbau der Tordurchfahrt. Das ist wichtig, um die vom Straßenverkehr auf den Torturm einwirkenden Belastungen zu kennen und künftig reduzieren zu können.

 

Noch in diesem Monat sollen die Natursteinarbeiten beginnen. Um die Fassade schonend zu reinigen, wird sie mit dem so genannten Wirbelstrahlverfahren bearbeitet. Dabei wird das Mauerwerk mit einem speziellen Granulat bearbeitet, das Verunreinigungen beseitigt. Das Verfahren ist besonders schonend, so dass es vor allem bei denkmalgeschützten Bauten zum Einsatz kommt. Zu den Natursteinarbeiten gehört auch das Reinigen und Erneuern von Fugen oder die Rekonstruktion von Steinen.

 

Zum Schutz vor Taubendreck sollen die Fensteröffnungen des Torturmes zukünftig Taubenschutznetze aus Edelstahldraht erhalten. Weitere Maßnahmen zur Abwehr von Tauben werden derzeit untersucht.

 

Zum Bauvorhaben:
Nach jetzigem Stand kostet die gesamte denkmalpflegerische Sanierung rund 567.000 Euro. "Der städtische Eigenanteil ist dank einer großzügigen Spende eines Bürgers gesichert", sagte Andreas Ludwig (Dezernent für Bauwesen und Umwelt). "Dafür bedanke ich mich ganz herzlich!"

 

Ausgangspunkt war das einem Mitglied des Eisenacher Geschichtsvereins zugefallene Erbe des Eisenach-Freundes Dr. Claus Wülfing aus Westfalen. Dieses Vermächtnis stockte der anonyme Spender zu einem namhaften Betrag auf. Ein weiterer Dank geht an den Eisenacher Geschichtsverein für sein Engagement. Denn von dem Verein ging die jetzige Initiative zu Sanierung aus. Ursprünglich war nur die Sanierung der Steinplastiken im Tor geplant. Dank der Spende ergab sich aber die Möglichkeit der Gesamtsanierung.

Auch der Bund und das Land Thüringen beteiligen sich zu einem Großteil an der Finanzierung. Die Fördermittel stammen aus dem Bund-Länder-Programm für städtebaulichen Denkmalschutz.

 

Bauherr ist die Stadt Eisenach, die denkmalfachliche Betreuung übernimmt das Thüringische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Mit der Planung und Bauleitung ist das Architekturbüro Spangenberg und Braun aus Erfurt beauftragt worden. Hinzu kommen ein Steinrestaurator, Statiker sowie Sachverständige.

 

Denkmalpflegerische Voruntersuchungen:
Aus Sicht des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie ist die stark gestiegene Belastung durch den Straßenverkehr die Hauptursache für die am Nikolaitor aufgetretenen Risse und Steinschäden. Ein wichtiger Bestandteil zur denkmalpflegerischen Instandsetzung und langfristigen Erhaltung des Tores ist deshalb eine deutliche Reduzierung der Verkehrsschwingungen. Diese werden durch den Durchgangsverkehr am Fuße des Turmsockels hervorgerufen. Schwingungsmessungen sollen den genauen Umfang und die Stärke der Belastung feststellen. Weiterhin wird untersucht, ob sich diese Auswirkungen zum Beispiel durch Veränderungen des Straßenbelages im Bereich der Tordurchfahrt reduzieren lassen.

 

Darüber hinaus werden im Auftrag des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege am Nikolaitor restauratorische und bauhistorische Untersuchungen gemacht. Sie sollen weitere Ergebnisse zur denkmalpflegerischen Bedeutung und Wertigkeit der historischen Bausubstanz liefern.

 

Das Institut für Steinkonservierung untersucht in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege die notwendigen Materialien am historischen Mauerwerk des Nikolaitores. Damit soll festgestellt werden, ob sich die zum Einsatz vorgesehenen Restaurierungsmörtel eignen und ob sie verträglich sind.

 

Das Nikolaitor:
Das romanische Nikolaitor am östlichen Ende des Karlsplatzes ist das einzig erhaltene von ehemals fünf Stadttoren in Eisenach. Es gilt als das älteste erhaltene Tor Südwestthüringens. Oberhalb der Toreinfahrt sind zwei Steinbilder zu sehen, die wahrscheinlich Ludwig mit dem Barte, den Begründer der Ludowingerdynastie, und den Thüringer Wappenlöwen darstellen.

 

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