Richard Wagner und Eisenach

Für Opernfreunde ist klar: Der „Sängerkrieg“ in Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ gehört auf die Wartburg bei Eisenach. Tatsächlich hat sich der Meister bei einem Besuch der Stadt von dieser historischen Überlieferung inspirieren lassen.

Der Anblick der Wartburg, die Richard Wagner „ungemein warm“ anregte, und die Gegebenheiten der Landschaft der Hörselberge – mit Venus- und Tannhäuserhöhle – prägten sich ihm auf seiner Reise von Paris nach Dresden im April 1842 sofort als wirkungsvolle Szenerie für seine Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ ein.

 

Auch im Eisenach Stadtschloss finden sich Spuren des Komponisten. Hier traf er sich 1849 – auf der Flucht aus Dresden – mit Franz Liszt und der Großherzogin Maria Pawlowna, einer Bewunderin seiner Werke, und besuchte an nächsten Tag zum ersten Mal die Wartburg.

 

Eine Wanderung von der Wartburg in die sagenumwobene Welt der Hörselberge mit dem Hörselberghaus als Ziel für eine Rast kann ein erholsamer Abschluss eines gelungenen Wagner-Tages sein.

 

Die Stadt Eisenach verfügt nach Bayreuth über die zweitgrößte Richard-Wagner-Sammlung der Welt. Aufbewahrt und gezeigt wird sie im Reuter-Wagner-Museum. Die erste Wagner-Ausstellung im Haus wurde 1897 eröffnet. In den Schauräumen des Erdgeschosses sind ausgewählte Exponate aus der 1895 von dem Wiener Wagner-Verehrer Nicolaus Oesterlein erworbenen Richard-Wagner-Sammlung zu sehen. Die Geschichte der Richard-Wagner-Sammlung beginnt in Österreich.


Nikolaus Oesterlein, ein Österreicher (1841-1898) gehört zu den Verehrern des Bayreuther Meisters. Er glaubte an die Zukunft der Wagnerischen Kunst und trug schon zu Lebzeiten Richard Wagners mit großer Energie Bilder und Büsten, Briefe und Schriften, Theaterzettel und eine umfangreiche Bibliothek mit etwa 5000 Bänden zusammen.
1887 eröffnete er ein Privatmuseum in Wien, sah sich aber bald gezwungen, die Sammlung mit etwa 20.000 Objekten zum Verkauf anzubieten.

Der Eisenacher Bürger Prof. Josef Kürschner, bekannt durch die von ihm herausgegebenen Lexika und Literaturkataloge, setzte sich für den Kauf der Sammlung durch die Stadt Eisenach ein. 1895 wurde die Oesterlein-Sammlung gekauft, in der Villa Fritz Reuters untergebracht und 1897 der Öffentlichkeit als Reuter-Wagner-Museum übergeben. Seit 1997 ist die Oesterleinsche Wagner-Sammlung in einer neu gestalteten Ausstellung zu sehen.


Weitere Auskünfte gibt die Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH, Tel. 03691/7923-0, E-Mail: info(at)eisenach.info, Internet: www.eisenach.info

Richard Wagners Begegnungen mit Eisenach

Friedrich Kühmstedt – Wagners Kontrapunktist und Wartburgführer 1849

Glücklicherweise hat Richard Wagner in seinen Memoiren den Begegnungen mit der Wartburgstadt stets gewissen Raum eingeräumt. So wissen wir heute einigermaßen genau über seine Besuche in Eisenach Bescheid.

 

Erstmals begegnete er der Stadt und der Wartburg im April 1842. Am 8. des Monats hatte er Paris verlassen und sah wenige Tage später die Wartburg. Dies hinterließ einen tiefen Eindruck bei ihm:

„Einen wirklichen Lichtblick gewährte mir die Begegnung mit der Wartburg, an welcher wir in der einzigen sonnenhellen Stunden dieser Reise vorüberfuhren. Der Anblick des Bergschlosses, welches sich, wenn man von Fulda herkommt, längere Zeit bereits sehr vorteilhaft darstellt, regte mich ungemein warm an ... so dünkte es mich eine weissagungsvolle Beziehung, dass ich die so geschichts- und mythenreiche Wartburg eben jetzt zum ersten Male leibhaftig vor mir sah ...“

 

Im Mai 1849 weilte Wagner zum zweiten Male in der Stadt. Ob seiner Sympathien für die Revolution wurde er von den sächsischen Machthabern verfolgt, musste Dresden verlassen und kam so kurzzeitig nach Eisenach:
„ ... Liszt, der von Eisenach weiter gereist war, überließ mich Stör und dem Eisenacher Musikdirektor Kühmstedt, einem eifrigen und gewiegten Kontrapunktisten, zur weiteren Unterhaltung und Verpflegung. Mit diesem besuchte ich zum ersten Mal das damals noch nicht restaurierte Schloß der Wartburg. Seltsame Gedanken über mein Schicksal stiegen mir bei diesem Besuche auf; nun zum ersten Mal sollte ich dies mir so innig bedeutungsvolle Gebäude wirklich betreten, wo ich sogleich mir sagen musste, dass die Tage meines ferneren Verbleibens in  Deutschland gezählt waren.“

Der Gasthof „Großherzog von Sachsen“ – hier logierten die Wagners vom 27. zum 28. Juli 1877.

Eine ihm schmerzhaft in Erinnerung bleibende Episode kennzeichnete seinen dritten Aufenthalt in der Stadt. Ende Oktober 1862 befand er sich auf einer Reise nach Leipzig. Ob eines Tumultes auf dem Eisenacher Bahnhof, hervorgerufen durch die Abreise eines hochfürstlichen Besuchers, verließ Wagner seinen Zug, der aber wenig später weiter fuhr.

Er hatte sich „soeben in Bewegung gesetzt, als ich eilig noch einstiegen wollte; unwillkürlich lief ich dem dahineilenden Zug mit hastigem Zuruf an den Kondukteur nach, ohne natürlich ihn aufhalten zu können.“

 

 

Wagners letzter Aufenthalt fällt auf den Juli 1877. Damals weilten er, seine Frau Cosima und sein achtjähriger Sohn Siegfried die Wartburgstadt. Man wohnte im Hotel „Großherzog von Sachen“, gleich gegenüber dem Bahnhof.

Der seinerzeit in Eisenach bekannte Barbier Christoph Spengler soll Richard Wagner damals rasiert haben. Zwar war man nur zwei Tage in der Stadt, jedoch verknüpfte man den Aufenthalt auch wieder mit einem Besuch der Wartburg.

Die ihm nun verbleibenden fünf Stunden bis zum Eintreffen des nächsten Zuges nutzte der Künstler für einen Kurzbesuch auf der Wartburg. Er ließ sich  „von einem Menschen, der sich als Führer mir vorstellte, zu einer Einkehr auf der Wartburg bestimmen, sah dort die vom Großherzog getroffene teilweise Restaurierung derselben, auch den Saal mit den Schwindschen Bildern mir an, fand mich von allem sehr kalt berührt und kehrte in der Restauration dieses Eisenacher Lustortes ein, wo ich verschiedene Bürgerinnen mit dem Strickstrumpfe beschäftigt antraf.“