Stadtarchiv aktuell

Stadtarchiv Eisenach erhielt Nachlass von August Rudloff

Porträt - August Rudloff - Stadtarchiv

Im Vorfeld des 100. Jahrestages der Novemberrevolution, an die 2018 erinnert wird, erhielt das Eisenacher Stadtarchiv nun einen Teilnachlass August Rudloffs. Er ist einer der drei Protagonisten, die die Entwicklung der Eisenacher Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert prägten: Karl Hermann, Alfred Markwitz und August Rudloff. An ihren Biographien hat sich die Lokalgeschichtsschreibung nach 1945 stets orientiert, sie reflektiert, geschönt und durchaus auch ideologisch harmonisiert.

Nach einer Zeit verhaltenen Schweigens zu diesem Thema soll jetzt - mit Blick auf den 100. Jahrestages der Novemberrevolution im Jahr 2018 - begonnen werden, die vielfältigen lokalen Quellen zum Thema Arbeiterbewegung neu zu sichten, um aktualisierte Fragestellungen aufgreifen zu können.

In diesem Zusammenhang befindet sich das Stadtarchiv Eisenach nun in einer durchaus komfortablen Situation. Verfügte das Archiv bereits über Nachlässe von Karl Hermann und Alfred Markwitz, so kam nun ein Teilnachlass August Rudloffs hinzu.

August Rudloff (1884 bis 1966), repräsentiert die „linke Arbeiterbewegung“. Aus der SPD kommend, ging er konsequent über die USPD 1917 zur KPD 1920; er war bis 1945 einer ihrer führenden Köpfe. Merkwürdig dünn erwies sich bisher das, was man über ihn wusste, wenig ergiebig das, was die Geschichtsschreibung vor 1989 über ihn zu Papier gebracht hatte.
Nach einem Vortrag über Rudloff im Eisenacher Geschichtsverein Anfang 2016 kam am Ende eine Dame auf den Redner zu und gab sich als Enkelin Rudloffs zu erkennen. Im Gespräch stellte sich heraus, dass bei ihr und ihrer Schwester noch einiges Material über den „alten Rudloff“ vorhanden war. Diese Papiere konnte das Stadtarchiv Eisenach nun in seine Bestände übernehmen. Der Nachlass ist „mehr familiär geprägt“ und offenbart wenig über das politische Denken Rudloffs. Er beantwortet aber einige bisher offene Fragen zu seiner Biographie. Auch die beiden Enkelinnen konnten noch manche wertvolle Erinnerung beisteuern. Das Material ermöglicht es nun, den bisher allzu stringent gezeichneten Lebensweg neu zu beleuchten, in seiner Differenziertheit auszuloten und auf diese Weise dem Leben Rudloffs eher als frühere Forschungen gerecht zu werden.

Stadtarchiv bekam Chronik des Wartburgstadions geschenkt

Chronik des Wartburgstadions

Schon 1949, als Teile der Stadt noch in Trümmern lagen, gab es die ersten Ideen zu Errichtung eines Sportstadions in Eisenach. Am 15. Juni 1955 wurde die Sportanlage, an deren Fertigstellung viele Eisenacher in freiwillige Aufbaustunden mitwirkten, feierlich eröffnet. Sie erhielt den Namen “Wartburgstadion”.

Das alles liegt nun 60 Jahre zurück. Nahezu pünktlich zum Jubiläum erhielt das Stadtarchiv jetzt eine besonders wertvolle Schenkung. Hildegard Wirth übergab eine Chronik des Wartburgstadions an das Archiv. Ihr Mann Dietrich Wirth hat Zeit seines Lebens das Sportgeschehen im Stadion verfolgt und akribisch dokumentiert. Entstanden ist so eine “Stadionbiographie”, die ihresgleichen in der Stadt sucht.

Die Chronik berichtet vom Bau des Stadions und von dessen Einweihung. Nachzulesen ist darin beispielsweise, welche internationalen Leichtathletikwettkämpfe auf der alten Aschenbahn stattfanden und welche internationalen Fußballmannschaften die Stollen ihrer Schuhe in den Rasen des Stadions gedrückt haben.

Aufgeschlagene Chronik

Doch die Chronik reicht weit über das Sportgeschehen im Wartburgstadion hinaus. Auch die Besuche namhafter Sportler, Trainer und Sportfunktionäre sind dokumentiert. So findet sich in dem Buch die Unterschrift von Sepp Herberger, der die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland 1954 zum Fußball-WM-Titel geführt hatte. Auch ein Autogramm von der Radsport-Ikone der DDR, Gustav-Adolf Schur (genannt Täve) ist in der Stadion-Chronik zu entdecken. Und selbstverständlich erinnert die Chronik an den Meistertitel der Eisenacher Handballer 1958.
Deshalb ist sie als Dokumentation des Eisenacher Sportgeschehens zwischen 1949 und 1989 eine unverzichtbare Quelle für denjenigen, der sich für jeglichen Sport in Eisenach nach 1945 interessiert.

Stadtarchiv erhielt Nachlass des Sprachforschers Rudolf Denhardt

Porträt Denhardt, veröffentlicht in der Gartenlaube 1879

Das Stadtarchiv bekam ein Teilnachlass des Sprachforschers und Sprachtherapeuten Prof. Rudolf Denhardt geschenkt, der aus einer Haushaltsauflösung in Kassel stammt.
1886 gründete Denhardt eine Sprachheilschule in Eisenach, zunächst am Hainstein 3, dann in der Bismarckstraße 10/12, später neu nummeriert in Bismarckstraße 22/24, heute Fritz-Koch-Straße 22/24.
Er engagierte sich außerdem für die Belange des 1899 gegründeten Thüringer Museums und warb um Spenden. Der nun übergebene Nachlass dokumentiert sein medizinisches Wirken. Überliefert sind auch Dankesschreiben und eine Patientenliste, die zeigt, dass viele von ihnen weit reisten (New York, Boston, London, Amsterdam, Moskau), um Denhardts Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Rudolf Denhardt (1845 geboren in Burgsteinfurt ) befasste sich mit dem Stottern und verfasste zahlreiche Bücher zum Thema. 1876 gründete er in seiner Heimatstadt Burgsteinfurt eine Stotterheilanstalt und wurde damit zum Pionier der Sprachheilkunde. 1886 verlegte er diese nach Eisenach. Nach seinem Tod (1908) wurde die Anstalt zunächst von seiner Witwe und Sohn Emil Denhardt weitergeführt, bis sie 1923 an seinen Schwiegersohn Hans-Josef Knittel übertragen wurde. 1954 wurde die Heilanstalt geschlossen.
Die Patienten, die auf Denhardts Fähigkeiten vertrauten, kamen aus vielen deutschen Städten, aber auch aus vielen europäischen Ländern wie Polen, Russland und Skadinavien. Ein Konvolut enthält zahlreiche trauernde Reaktionen auf den frühen Tod Denhardts 1908.

Die Stotterheilanstalt von Prof. Rudolf Denhardt in der Bismarckstraße 10/12
Dankschreiben und Heilungsbestätigungen an Denhardt. So erklärt der Lehrer des Schülers Wilhelm Meier, dass sein ehemals stotternder Schüler nach nur vier Wochen Behandlung nun „rein, laut und fließend“ auf Fragen zu antworten vermochte.

Stadtgeschichte wird in Schaufenstern erlebbar

"Die bewegte, fast tausendjährige Vergangenheit der Stadt Eisenach spiegeln nicht nur die großen, bekannten Museen sondern auch die vielen historischen Gebäude der Innenstadt wider“, erklärt Stadtarchivar Dr. Reinhold Brunner seine Idee, diesen Teil der Eisenacher Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar zu machen. Dazu wurden jetzt Schaufenster Eisenacher Gewerbetreibender mit historischen Aufnahmen versehen. Diese ermöglichen nun - kombiniert mit Texten aus historischen Reiseführern - Einheimischen und Stadtgästen faszinierende Einblicke in das Leben in Eisenach um 1900.

 
Für das Gemeinschaftsprojekt des Stadtarchivs Eisenach, der Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH und der Kreativagentur bbs MEDIEN konnten zunächst zehn Eisenacher Gewerbetreibende gewonnen werden, die einen Platz in ihren Schaufenstern für die historischen Aufnahmen zur Verfügung stellten. So sieht man beispielsweise am Fenster des Spielzeuggeschäftes „Die Murmel“ einen Blick auf den Johannisplatz vor etwas mehr als 100 Jahren. Das Projekt wurde von der Wartburg-Sparkasse mit einer anteiligen Finanzierung der ersten zehn Motive unterstützt. Ein weiterer Anteil wird von den beteiligten Ladeninhabern beigesteuert. Weitere Läden sollen in den nächsten Monaten den Rundgang ergänzen. Mehr.... 

Stadtarchiv Eisenach: Steigendes Interesse an lokaler Geschichte

Das Stadtarchiv erwies sich auch im vergangenen Jahr als die zentrale Stelle, wenn es um Fragen zur Geschichte Eisenachs ging. Die Benutzung des Stadtarchivs durch Wissenschaftler oder interessierte Bürger deutet auf ein zunehmendes Interesse an lokaler Geschichte hin. Besonders wertvoll sind Archivalien, die aus privater Hand dem Archiv überlassen wurden - etwa der Nachlass des früheren Oberbürgermeisters von Eisenach, Karl Hermann, ein Teilnachlass des Eisenacher Baumeisters Gustav Stein, das komplette Archiv des in der Wartburgstadt bekannten Filmemachers Lutz Mittelbach oder das Archiv der Interessengemeinschaft Denkmalpflege - die alle 2012 in das Archiv übernommen werden konnten. Mehr....

Nachlass von früherem OB Karl Hermann im Eisenacher Stadtarchiv

Der frühere Eisenacher Oberbürgermeister Karl Hermann (1946)

Erneut hat das Stadtarchiv Eisenach einen wertvollen Nachlass erhalten. Die Nachkommen des früheren Eisenacher Oberbürgermeisters Karl Hermann übergaben das noch vorhandene Material, das sein Leben dokumentiert.

Wer war Karl Hermann? Er wurde 1885 in Unkeroda geboren und starb 1973 in Eisenach. Nach der Volksschule absolvierte er eine Maurerlehre und war dann Geschäftsführer des Bauarbeiterverbandes in Eisenach. Aus dem Krieg zurückgekehrt, avancierte Hermann zu einem der führenden Köpfe der linken Sozialdemokratie, die 1917 die Unabhängige Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet hatte. Zwischen 1921 und 1924 amtierte er als Innenminister in Thüringen. Die politische Rechte versuchte, ihn nachträglich zu diffamieren, indem sie ihm diverse Dienstvergehen unterstellte. Alle diesbezüglichen Prozesse gewann Hermann jedoch, der unter anderem von dem jüdischen Eisenacher Rechtsanwalt Dr. Julius Blüth vertreten wurde. Mehr

Schenkung für das Stadtarchiv: Erinnerungen eines Eisenacher Polizisten auf Tonband

Der Eisenacher Polizist Gottfried Böhnhardt

Das Eisenacher Stadtarchiv hat eine Schenkung der besonderen Art erhalten. „Eine kleine Sensation“, sagt Dr. Reinhold Brunner, Archivleiter. Auf zwei CDs befinden sich Tonbandaufzeichnungen der Lebenserinnerungen des Eisenacher Polizisten Gottfried Böhnhardt. „Dieses zeitgeschichtliche Dokument ist in höchstem Maß authentisch und vermittelt ein eindrucksvolles Bild wichtiger Geschehnisse in Eisenach zwischen 1900 und 1930“, so Brunner. Die Schenkung stammt von Volker Reinhold, Enkel des Gottfried Böhnhardts. Reinhold wurde in Eisenach geboren und hat 1959 seinen Großvater über dessen Leben befragt und die Erzählungen auf Tonband aufgenommen.  Mehr

Neue historische Urkunde im Stadtarchiv

Ein anonymer Spender hat dem Eisenacher Stadtarchiv jetzt eine historische Urkunde aus dem Jahr 1802 geschenkt. Das Papier ist ursprünglich 1990 in einem Papierkorb in den Geschäftsräumen der Eisenacher Brauerei entdeckt worden und lagerte seither in privatem Besitz.

Die Urkunde ist ein Zeugnis der damaligen Gepflogenheiten des Eisenacher Gastgewerbes um 1800. Demnach erlaubte Herzog Carl August dem Eisenacher Bürger Sebastian Raak 1802, "das von ihm besitzende so genannte Kornhaus am Ende der Georgenthor-Vorstadt, zu einem Gasthofe, zum Stern genannt, völlig zu errichten". Mit der Konzession war für Raak das Recht verbunden, "von jetzt an, fremde Reisende, hohen und niederen Standes, auf- und einzunehmen, zu beherbergen, mit Speise, Getränk und anderer Nothdurft zu versehen, desgleichen Fuhrleute und andere Personen zu Roß und Fuß mit allen Nothdürftigkeiten, gegen billigmäßige Bezahlung zu verpflegen."

Aus der Urkunde geht weiterhin hervor, dass Raak nicht nur Wirt sondern auch Aufpasser war. Er hatte darauf zu achten, "keine lüderlichen und verdächtigen Leute aufzunehmen", er durfte nicht zuzulassen, dass die Gäste "ärgerliche und schädliche Dinge, übermäßiges Saufen, Schwelgen, Nachtsitzen, Sabbathsschändungen, Fluchen, Gotteslästern, Resonieren über Obrigkeiten und obrigkeitliche Anordnungen" veranstalteten.

Der in der Urkunde genannte Gasthof ist die traditionsreiche Gaststätte im Westen Eisenachs - der Goldene Stern in der Kasseler Straße 1. Einst Kornkammer des Katharinenklosters, wurde das Gebäude im 18. Jahrhundert als Spielstätte fahrender Schauspieler genutzt, ehe es um 1720 teilweise einfiel. Seit 1802 diente es als Gasthof, der seinen Betrieb in den frühen 50er Jahren einstellte Es wurde dann als Lebensmittel- , später als Möbellager genutzt und steht derzeit leer.

Die Urkunde ist nur eine von 69 historischen Urkunden des Eisenacher Stadtarchivs. Die älteste stammt aus dem Jahr 1493.

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